Adolphe Mouilleron
Bürgermeister Six im Atelier von Rembrandt
(um 1860)
Lithographie, nach Henri Leys' Gemälde von 1851


Der Druck gehört zu den populären Genrebildern des 19. Jahrhunderts, die eingebunden in Sammelmappen oder als einzelne Wandbilddrucke das kulturelle Verständnis des Bürgertums förderten. Die Darstellung zeigt den Besuch des Amsterdamer Bürgermeisters Jan Six im Atelier von Rembrandt bei der Betrachtung eines Gemäldes. Six, von dem Rembrandt ein bedeutendes Porträt gemalt hat, galt als einer der wichtigsten Mäzene und Sammler des holländischen Malers. Im (historisch in der Darstellung eher fingierten) familiären Beieinander von Maler und Mäzen und damit in der harmonischen Zweckgemeinschaft von Kunst und Kapital drückt sich ein Idealbild bürgerlicher Kunstförderung aus, dem die konkrete soziale Realität in der Regel nicht entsprach und entspricht. Der Mythos vom noblen und uneigennützigen Mäzen ist in erster Linie ein Bild, das die Kunst sich als Wunsch formuliert. Zugleich drückt sich hierin die Sehnsucht nach einer tiefen Verwurzelung und Sinnstiftung der bildenden Künste im Lebensalltag aus.