William Hogarth
The Battle of the pictures
1744
Stahlstich, Nachstich Griffin & Bohn 1821
William Hogarth >>>
The Battle of the pictures
1744
Ticket für eine Auktion
Kupferstich, Neuabdruck 1822, überarbeitet v. James Heath
William Hogarths oft abgedruckter oder kopierter Kupferstich "The Battle of the pictures" markiert einen Einschnitt in der bildlichen Darstellung des Kunstmarktgeschehens, denn es ist dessen Darstellung, Werbung für Hogarth und Geschäftsdokument in einem. Im Stich kämpfen die Bilder gegeneinander. Hogarth sieht die eigenen Produkte keineswegs immer als Sieger: seine Verkaufsstrategie setzt auf den gesunden Menschenverstand seines (nicht zuletzt durch den Stich selbst) aufgeklärten Kunden. Die schon ein wenig rissig gewordenen Auktionshäuser bezeichnet er als "Pufs". Der kleine Anwurf gegen die Kunsthändler seiner Tage kommt nicht von ungefähr auf dieses Blatt. Gegenüber der Konkurrenz mit ihrer oft ausländischen Ware von der Stange (gekennzeichnet durch die Buchstaben "Dto" und eine Fahne mit Hammer) zeigt sich Hogarths Atelier als eigentlicher, aber bedrohter Produktionsort, gekennzeichnet durch Palette und Staffelei.
Das Blatt hat eine interessante Doppelfunktion. Hogarth plante eine groß angelegte Auktion seiner Arbeiten - und der Kupferstich war das Bieter-Ticket dazu. Das macht der - in späteren Kopien nicht wiedergegebene - Text klar: "The bearer hereof is entiteled if he thinks proper to be a bidder of Mr. Hogarths pictures which are to be sold on the first day of this month." (Der Eigentümer hiervon ist berechtigt, wenn er möchte, auf Mr. Hogarths's Bilder zu bieten, die am ersten dieses Monats verkauft werden.) Die ersten Abzüge des Blattes vermerkten handschriftlich die Bieternummer, eine Nummer 100 ist bekannt.
Unumstritten waren Hogarths Geschäftspraktiken nicht. "By this Letter and a day affixed to meet at his house the pictures were put up to sale to bid Gold only by a Clock set purposedly by the minute hand - 5 minutes each lott- so that by this means he could raise them to the most value and no barr of Criticks' judgement nor cost of auktioneers." schreibt nicht ohne eine gewisse Distanz ein Kollege von Hogarth.
William Hogarth
Canvassing for votes - Der Stimmenfang
Aus Dem Zyklus: The Election - Die Wahl
1755/58
Anonyme Radierung nach Kupferstich von Hogarth um 1800Hogarth verstand sich als Historienmaler, der in moralisierender Absicht satirische Genregemälde seiner Zeit herstellte. Um seinen aufklärerisch motivierten Wirkungsradius auszuweiten und um sich zusätzliche Einnahmen zu sichern, ließ Hogarth die meisten seiner Gemälde in Kupfer stechen und als Zyklen in Sammelmappen vertreiben. Im Zyklus "The Election" werden die skrupellosen Methoden der Politiker angeprangert, darunter auch der "Stimmenfang", bei dem sprichwörtlich das Geld unter die Leute geschaufelt wird, um den Wahlausgang zu beeinflussen. Zwar sind Hogarth Bilder noch dem moralphilosophischen Diskurs der Aufklärungszeit verpflichtet, zugleich bereiten sie aber eine Politisierung der Kunst vor, wie sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Künstlern wie Goya und Daumier forciert und im 20. Jahrhundert zum konstitutiven Wesensmerkmal von Kunst werden sollte. Allerdings bleibt der Stich ambivalent, denn obwohl er die Bestechungspraktiken der Politik anprangert, ist der Künstler doch selbst darauf angewiesen, dass sich seine moralischen Appelle in bare Münze auszahlen.