Georg Herold
Endlich 1–3
1991
Heliogravure, Chine Collée, Griffelkunst 261 B1–B3
Fein durchnummeriert zeigen Georg Herolds Kaviarbilder nicht nur dieappellieren an die Verbraucherseite in ihren Betrachtern: dieser köstliche Fischrogen ist ein für allemal nicht mehr zum menschlichen Verzehr geeignet, und der Weg bis zu einem Bildgenuss ist ungewiss. Mit den Kaviarbildern hat Herold ein Paradebeispiel für einen Sinntransfer zwischen den Luxusgütern Kunst und Kaviar geschaffen. Und die erschreckte Frage "warum tut er das?" kann recht unterschiedlich beantwortet werden, je nachdem, ob man mit einer ästhetischen Lesart, einer ökonomischen, einer biografischen (Herold stammt aus der ehemaligen DDR, und russischer Kaviar hatte dort eine Funktion als gelegentliche Schattenwährung) oder einer weltpolitischen Erklärung ansetzt (der verwendete Kaviar stammt aus Russland und dem Iran).
Die Heliogravüren mit dem Titel "Endlich" fußen auf den Kaviarbildern und drehen die Optik und den Inhalt noch einmal um. In der Griffelkunstedition erschienen, gehören sie zu den preiswertesten Originalgrafiken, die Herold je machte. Die seit den 1920er Jahren bestehende Griffelkunst-Vereinigung gibt Kunst nur auf Vorbestellung und nur an ihre Mitglieder ab, äußerst preiswert und belegt mit einem Verkaufsverbot. Herold veredelt den Eindruck durch die Technik der Heliogravüre, ein traditionelles und vergleichsweise aufwändiges Tiefdruckverfahren, bei dem eine Vorlage fotomechanisch auf eine Metallplatte übertragen wird. Zusätzlich passt er diese Ergebnisse in blindgedruckte Büttenbögen ein, so dass das reduzierte Bildmotiv in altmeisterlicher Manier umgesetzt erscheint.