Hans Haacke
documenta-Besucherprofil
1972
Typographischer Offsetdruck / Papier, unl.
Fragebogen an Documenta-Besucher, Auswertung in Ausstellung
Haackes Besucherprofil der documenta 5 gehört zu den wirkungsvollsten und am meisten rezipierten Arbeiten in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Dieser Fragebogen stellt einen Transfer soziologischer Recherche- und Datenauswertungsmethoden in die bildende Kunst dar und zeugt somit gleichermaßen von einem geänderten Werkbegriff innerhalb der Kunst wie von der immer stärkeren Verflechtung von Kunst und Wissenschaft. Indem Haacke den Blick von den Künstlern und Werken ab und statt dessen auf die Besucher lenkte, wurde schlagartig die sozialen Zugangsvoraussetzungen des Publikums aktueller Kunstausstellungen deutlich. Offensichtlich war es nur ein sehr geringer Teil der meist jungen, bürgerlichen Bildungsschicht aus den Großstädten, der der derartige Veranstaltungen besuchte. Damit erschien das verbreiteten Selbstverständnis der gesellschaftlichen Institution Kunst als eine allen Bevölkerungsgruppen zugänglicher Kulturwert mit gesellschaftsverändernder Funktion unglaubwürdig und als leere, meist kulturpolitisch instrumentalisierte Formel.