Plamen Dejanov und Svetlana Heger
Notizbuch
1999
Papier

Dejanov und Heger waren von dem Leipziger Künstler Tilo Schulz eingeladen worden, einen Beitrag für das Projekt "Exhibition without exhibition" zu realisieren. Dabei handelte es sich um künstlerische Arbeiten, die nur als Konzept geplant und in Form eines Projektbuches durch jeden der beteiligten Künstler umgesetzt wurden, und die Schulz in Form eines Schubers in Anlehnung an Marcel Duchamps Schachteln präsentierte. Das für ihren Beitrag zur Verfügung stehende Geld für Konzept, Layout und Druck verwendeten Dejanov und Heger, um vierzehn Tage Urlaub in Dänemark zu machen und lediglich ein Heft mit leeren Seiten als Notizbuch anfertigen zu lassen. Mit Blick auf den Ausstellungszusammenhang erschien diese radikale Position einerseits wie eine Arbeitsverweigerung der Künstler, andererseits als provokante Wertvernichtung von Finanzen und Kreativität. Damit wurde auf die verdeckte Seite künstlerischer Produktion verwiesen, nämlich die freiwillige Selbstausbeutung innerhalb des finanzschwachen gesellschaftlichen Kulturbereiches, in dem das Geld zwar zur materiellen Umsetzung der Werke, nicht aber zur angemessenen Bezahlung der Akteure ausreicht. Als eine Geste kreativer Transferleitung wurde der Produktionsimpuls an das Publikum weitergegeben, die ihre persönlichen Visionen und Entwürfe in das Notiz- und Skizzenbuch eintragen konnten.

Joachim Penzel