Lisa Cieslik
Konsumrealismus
1988
Fotokopie auf Werbeprospekt, unl.Konsumrealismus - dieses Wort hat mandalaartig seit den 1980er Jahren die künstlerische Arbeit von Lisa Cieslik begleitet und geprägt. Die in Köln lebende Künstlerin hat ein inniges Verhältnis zu den Ikonen des Konsums, die sich in überbordender Vielfalt täglich in Prospekten finden und von dort als Impuls ihren Weg über die Einkaufskörbe in die Mägen der Menschheit antreten. Auch der Begriff, den sie geprägt hat, um dieses künstlerische Arbeitsfeld zu kennzeichnen, weist Züge des Konsums auf: Rasch entworfen und heftig propagiert, zeigt er sich als klassisches Produkt der Theorieproduktion, welche die zeitgenössische Kunst seit jeher begleitet. Aber spätestens an diesem Punkt fängt der Begriff an, nicht mehr erwartungsgemäß zu funktionieren. Er läßt sich nämlich kaum wirklich definieren, und auch wenn Konsum und Realismus vergleichsweise trennscharfe Begriffe sind, gilt das für den neuen Konsumrealismus kaum noch. Lisa Cieslik hat in Supermärkten gearbeitet und sich dort mit dem nötigen optischen Material für ihre Kunst versehen.
Verkaufsprospekte sind auf klare und schnelle Lesbarkeit hin konzipiert. Starke Eigenfarben, optimierte Ansichtsseiten der Produkte, deutlich erkennbare Preise: diesen Vorgaben gehorchen nahezu alle Prospektgestaltungen. Diese bunte Warenwelt überlagert die Künstlerin mit ihren eigenen Bildern. Mit einfach handhabbaren Mitteln wie dem Fotokopierer schafft sie eine frappierende Bildserie zum Abhängigkeitsverhältnis zwischen Identität und Konsumwelt. In dieser direkten Konfrontation konterkarieren diese Bilder die häufig von Werbung aufgestellte Behauptung, durch Konsum Identität aufbauen zu können.