Armin Chodzinski
raubkopie
seit 2001
e-zine, Revisionsverlag
privater ComputerausdruckAls Quergänger zwischen den Bereichen der zeitgenössischen Kunst und dem gesellschaftlich so dominanten wirtschaftlichen System hat Armin Chodzinski seine eigene Konsequenz gezogen. Mit der Herausgabe der "Raubkopie" hat er sich die Freiheit geschaffen, redaktionell das auszuwählen, was ihm als Element in diesem Diskursgebilde geeignet erscheint. Dabei kupfert die Raubkopie durchaus auch ungefragt aus anderen Quellen im Netz ab, der Revisionsverlag hat ja die Wiederverwendung schon im Namen als Programm. Eigene Beiträge in diesem Zusammenhang fehlen gleichwohl nicht: so erfährt man beispielsweise durch ein Interview Chodzinskis mit dem Kunsthistoriker Michael Glasmeier, dass dieser in seinen ausgearbeiteten Bibliografien immer eine erfundene Quelle zugibt, um seinerseits die Wiederverwendung durch Kollegen sehen zu können, die sich nicht die Mühe gemacht haben, die zitierte Literatur auch wirklich zu lesen.
"Weil ich nicht so schlau bin wie alle Ideologen und Theoretiker, muß ich es einfach sagen und machen." erklärte Steve Stevaert der Presse im Sommer 1997, als er, weil es ihm als Bürgermeister einer kleinen belgischen Stadt an Geld fehlte, beschloss die Fahrpreise für öffentliche Verkehrsmittel abzuschaffen. (raubkopie 01, S.3)
In Hinsicht auf die Distribution seiner Zeitschriften ist Chodzinski von anfänglichen gedruckten und gegen geringen Preis abgegebenen Ausgaben seiner "Revision" über das kostenlos per e-Mail verteilte e-zine "raubkopie" inzwischen zur reinen Netzpräsenz seiner Zeitschrift übergegangen.
JS
Armin Chodzinski
Infobroschüre und Visitenkarten
2000
Offset; für ein Projektberatungs-Unternehmen, Ellhofen produziertNach der Reflexion von Managementstrukturen innerhalb des Kunstbetriebs verfolgt Chodzinski neuerdings eine umgekehrte Strategie, indem er seine spezifisch soziale und künstlerische Gestaltungskompetenz direkt in ein Unternehmen einbringt. Er ist mittlerweile als Projektberater und teils auch als Designer von unternehmensbezogenem Imagematerial aktiv, etwa für Infobroschüren und Visitenkarten. Seine schematisch comic-haften Zeichnungen, denen im Kunstkontext eine Reflexionsfunktion zukam, integrieren sich hier als Dienstleistung in ein junges Unternehmen. Die unkonventionelle Gestaltungsweise durchbricht typisierte Aufmachungsmuster und den Standard erfolgsorientierter Managementschemata durch deren Ironisierung. Ein derartig originelle Abrechnung mit Erfolgsmythen kann im idealen Fall handlungsentlastend wirken, den Abbau von Ängsten fördern und die Rückkehr zu Sachfragen ermöglichen. Im Gegensatz zu den radikalen wirtschaftspolitischen Utopien der künstlerischen Nachkriegsgeneration (etwa Beuys), betont Chodzinski als Künstler flexible Forschungs- und intime Projektarbeit im ökonomischen Feld.
Joachim Penzel