Kunst am Bau
„Jeder kennt sie, kaum wer nimmt sie wirklich wahr“: so beginnen Markus Wailand und Vitus H. Weh ihr Handbuch „Zur Sache Kunst am Bau“ (Wien 1998) und damit die bislang umfangreichste systematische Literatur zum Thema. Wie wenig andere Kunstformen steht Kunst am Bau in einer täglichen Auseinandersetzung zwischen Kunstbegriff und Öffentlichkeit. Uwe Degreifs Dissertation „Skulpturen und Skandale: Kunstkonflikte in Baden-Württemberg“ (Tübingen 1997) hat nahe gelegt, hier Zeitphasen und beteiligte Gruppen als Faktoren bereits im Ansatz sehr genau zu unterscheiden. Die Prägung durch die zeitspezifischen Öffentlichkeitsbegriffe sowie die unterschiedlichen Generationen von Schaffenden und Wertenden bildet hier ein wichtiges Kriterium.
Eine besondere Frage ist die Akzeptanz von Kunst am Bau. Hier gibt es hinreichend Indizien dafür, dass eine umfangreichere Untersuchung nötig ist. Eigentümliche Diskrepanzen fallen auf: die Fachliteratur erwähnt Kunst am Bau mitunter recht skeptisch, die von Bauherren herausgegebenen Darstellungen werten sie sehr positiv. Selbst verfasste Biografien von KünstlerInnen schließen selbst große KAB aus, was mit der wirtschaftlichen Bedeutung solcher Maßnahmen für künstlerisch Tätige kaum in Einklang zu bringen ist. Wie kommt es zu diesen Gemengelagen?

Private Bau und Kunst-Maßnahmen in Engers

Weitere Fragen sind durchaus praktischer Natur. Kunst am Bau entsteht baugebunden, das heißt in enger Anbindung an die Struktur und die Nutzung des Gebäudes. Wie geht man mit vorhandener Kunst am Bau um, wenn die Gebäude grundlegend saniert wird, eine Nutzungsänderung erfährt oder gar abgerissen wird? Zudem stellen sich Fragen der Zeitläufe: kann die Kunst selbst hinfällig werden, z.B. durch Vandalismus oder dadurch, dass die von ihr geführten Diskurse nicht mehr aktuell sind?

Das Seminar wird sich diesen Fragen auf verschiedenen Wegen nähern. Historische Entwicklungen sind aufzuspüren, aktuelle Fragestellungen in einem größeren Zusammenhang wahrzunehmen. Nicht zuletzt ist interessant zu überlegen, in wie weit Kunst am Bau für die eigene berufliche Zukunft ein interessantes Feld sein kann.

O.H. Hajek, Fassadengestaltung Stadthalle Lahnstein, 1972

Folgende Fragen könnten Sie sich zum Eingang des Seminars selbst stellen:

Welche KAB kennen Sie konkret?
Wie schätzen Sie die gegenwärtige Akzeptanz von KAB ein?
Wie schätzen Sie persönlich KAB?
Wo sehen Sie Missstände oder Versäumnisse?
Wo Chancen?
Was geht Ihnen sonst bei diesem Thema durch den Kopf?