Annäherung an die Kunstgeschichte

Auf dem Weg zu einer eigenen und individuellen Kunst ist die Kunstgeschichte ein besonderer Faktor. Immerhin konfrontiert sie Studierende mit einer Vielzahl von Personen und Fakten, die zudem entlegenen Zeiten entstammen. Gleichzeitig prägt die Kunstgeschichte in mehr oder weniger eingestandener Weise diesen Weg zum künstlerischen Ich (und nicht zuletzt die Vorstellungen, die ein Publikum von künstlerischer Arbeit hat). Wer einmal eine solche historische Position näher ins Auge gefasst hat, kann rasch feststellen, wie vielfach sie eingewoben ist in Zeitumstände, vorausgegangene Entwicklungen und individuelle Besonderheiten. Kurz, neben der wachsenden Nähe zu dieser Position steht man rasch vor methodischen Fragen. Was geschah historisch, während dieses Kunstwerk entstand? Hat sich der Künstler selbst einmal zu seiner Kunst geäußert? Weshalb hat er sie gemacht? Aus welchen Gründen sind die eine oder andere Arbeit oder ihre Urheber so berühmt geworden? Warum nur wirkt diese Arbeit so stark auf mich?

Die Kunstgeschichte hat sich immer wieder mit solchen Fragen beschäftigt. Mit der Entwicklung der Kunst hat sich auch ständig die Annäherungsweise geändert. Eine ganze Reihe methodischer Ansätze ist entstanden, die unterschiedliche Aspekte betonen: Zeitumstände, Fragen nach Bedeutungsebenen, Bildtraditionen, die Rolle des Betrachters, wahrnehmungspsychologische Fragen, die Wirkungsgeschichte und anderes.

Gute Kunstwerke erschließen sich selten in einfachen Erklärmustern. Sie handeln auf vielen Ebenen gleichzeitig und behalten behalten meist einen lange Zeit wirkungsvollen Kern. Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft liefern hier eine Hilfe bei der Annäherung. Und oft kann man eine Arbeit oder historische Position mit dieser Vertrautheit sehr viel besser schätzen und genießen.